Warum können Chines:innen immer und überall schlafen?

Ist es ein Vorurteil oder stimmt es? Können Chines:innen tatsächlich immer und überall schlafen? Die Antwort muss ganz klar lauten: Es stimmt. Läuft man durch die Straßen, sieht man mit an 100 Prozent grenzender Sicherheit, mehrere Chines:innen, die entweder auf einer Parkbank, bestens ausbalanciert auf einem Mofa oder einem Lastenfahrrad schlafen. In der U-Bahn, kaum sitzen sie, schlafen sie schon ein, um an genau der richtigen Station wieder aufzuwachen. Das gleiche gilt selbstverständlich für jedes andere Transportmittel auch: Zug, Bus, Auto. Wer schon mal an einem Stand etwas kaufen wollte, wird wissen, selbst hier, im größten Gewusel, lässt es sich für eine:n Chines:in vorzüglich schlafen. Besonders beliebt aber auch die Betten in den Möbelhäusern. Viele Jahre sind viele Chines:innen wie selbstverständlich mittags zu Ikea gegangen, um dort eine Runde zu schlafen. Selbstverständlich im gemachten Bett. Also unter der Decke. So selbstverständlich war das, dass die Angestellten von Ikea regelmäßig die Bettwäsche wechselten. Bis, ja bis es Ikea zu bunt wurde und das Schlafen hier verboten wurde. Zumindest das Schlafen in den Betten. Auf den Sofas schlafen sie noch immer und auch sonst wird in China bei Ikea eher gelebt als nur gewohnt.

Der Schlaf ist den Chines:innen heilig. So heilig, dass der Mittagsschlaf es sogar in das chinesische Grundgesetz geschafft hat. Zwar wurde die Mittagspause 1984 gesetzlich verkürzt, an der Tatsache, dass man ein Recht auf Schlaf während dieser Zeit hat, wurde allerdings nichts geändert. Noch immer ist es in den Büros durchaus üblich, dass man ein kurzes Nickerchen hält. Arme auf dem Schreibtisch verschränkt, Kopf drauf, Augen. In manchen Büros wird dafür sogar das Licht gedimmt und die Türen bleiben offen, damit jeder sieht: Hier wird geschlafen. Bitte nicht stören.

Warum Chines:innen immer und überall schlafen können, darüber lässt sich nur spekulieren. Statistisch gesehen schlafen Chines:innen durchschnittlich neun Stunden pro Nacht. An mangelndem Schlaf kann es also nicht liegen. Eine Theorie ist, dass Menschen in China es nicht gewohnt sind, alleine zu sein. Sie brauchen also schon fast einen gewissen Lärmpegel, um gut schlafen zu können. Sehr wahrscheinlich ist es aber einfach ein kultureller Unterschied, mit dem die Chines:innen bekanntermaßen auch nicht alleine sind. Es gibt durchaus noch mehr Länder, in denen Mittags eine längere Pause – eine  Siesta – zum Schlafen oder nur Ausruhen eingelegt wird. Diese kleinen Powernaps sind übrigens sehr gesund! Studien zufolge soll ein kurzer Mittagsschlaf den Stresspegel senken. 

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