Warum haben Chines:innen keine grauen Haare?

Für alle Außenstehenden ist es unheimlich schwer, das Alter von Asiat:innen zu schätzen. Sie scheinen einfach nicht zu altern. Aber selbst wenn sie Falten bekommen, haben die meisten von ihnen noch volles, schwarzes Haar. Wie ist das möglich?

Mehr Melanosome im Haar

Ein Untersuchung der Boston University hat herausgefunden, dass die Haare verschiedener Ethnien zu unterschiedlich Zeitpunkten im Leben altern. Bei hellhäutigen Menschen ist das mit Mitte 30, bei den Asiat:innen mit Ende 30 und bei den Afrikaner:innen sogar erst mit Mitte 40. Für alle gilt: die Haare werden grau, weil unser Körper nicht mehr ausreichend Melanin, den Farbstoff für die Haare her, herstellt. Die Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass die Melanosome im Haar für die Herstellung des Melanins zuständig sind. In afrikanischen Haarproben gibt es mehr Melanosome als in den Haarproben der anderen Ethnien. Wahrscheinlich aber haben die asiatischen doch noch mehr als die der hellhäutigen Menschen. 

Auch die Dichte der Haare lässt dieser Untersuchung zufolge bei Asiat:innen zeitverzögert nach. Während hellhäutige Menschen schon ab 35 Jahre Haare lassen müssen, wird das Haar bei Asiat:innen erst zwischen  40 und 50 schütter. 

Grauen Haare auszupfen 

In China ist es durchaus üblich, dass man zum Friseur geht und sich die ersten grauen Haare einfach auszupfen lässt. 

Haare färben

Während gegen Falten noch nicht so wirklich ein Kraut gewachsen ist, gibt es diverse Möglichkeiten, sich der grauen Haare zu entledigen. So auch das Färben. In China ist es ganz selbstverständlich, sich die Haare zu färben. Männer wie Frauen greifen regelmäßig die Haare zum Färbemittel. Kein Wunder also, dass Haarfärbemittel überall erhältlich ist und dass die Schwarzfärberei es jährlich auf mehr als 300 Millionen Euro bringt. 

Perücke tragen

Chines:innen, die keine Lust mehr auf das ständige Färben haben, greifen zur Perücke. Auch diese ist überall erhältlich und nicht verpönt. Wie viele Politiker eine Perücke tragen, ist nicht gekannt. 

Haare zu färben oder eine Perücke zu tragen, ist in China so selbstverständlich, dass es den Medien mehrere Artikel wert war, als Xi Jinping sich 2019 mit grauen Haaren in der Öffentlichkeit zeigte. Traditionell tragen chinesische Machthaber, auch Top Manager, ihre Haare schwarz. Schon Mao hatte bis zu seinem Tod – und darüber hinaus – immer schwarze Haare. Nur ehemaligen Machthabern ist es erlaubt, sich zu ihrer natürlichen Haarfarbe, die aufgrund des Alters in aller Regel grau ist, zu bekennen. Solange man an der Macht ist, muss das Haar schwarz sein. Zum einen, um jugendlicher auszusehen und zum anderen, weil alle schwarze Haare haben.

Man will eine gleichförmige Gesellschaft. Weshalb das chinesische Bildungsministerium sogar festgelegt hat, dass Spieler ihre Haare nicht färben, seltsame Frisuren haben oder irgendwelche Accessoires tragen dürfen“. Wie ernst diese Vorschrift ist, zeigte sich 2020, als ein Fußballspiel abgesagt wurde, weil eine Spielerin sich ihre Haare heller gefärbt hatte. Und obwohl sie sie sich kurz vor dem Spiel wieder schwarz gefärbt hatte, wurde sie nicht zugelassen. Die Begründung: Die Haare waren nicht schwarz genug.

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